K065 Vier Stücke nach norwegischer Art

english K065 Four Norwegian Moods

K65 Four Norwegian Moods

for orchestra – Vier Stücke nach norwegischer Art (Vier norwegische Impressionen = Vier norwegische Stimmungsbilder) für Orchester – Quatre Pièces à la norvégiennes (Quatre Impressions norvégiennes) pour orchestre – Impressioni Norvegesi. [Quattro episodi alla norvegese] per orchestra

Titel: Als Strawinsky 1939 nach Amerika kam, waren seine englischen Sprachkenntnisse mangelhaft. So unterlief ihm für seine norwegischen Stücke ein falscher Titel, weil er mit Mood den lateinischen Begriff modus meinte. Daher sind alle gebräuchlich gewordenen Übersetzungen, die moods mit Impressionen, Stimmungsbilder oder Impressions, gleich mit welchen Eigenschaftswörtern, wiedergeben, unrichtig. Der wirkliche, dem Sachverhalt entsprechende Titel ist französisch gedacht und lautet Quatre Pièces à la norvégiennes. Es ergibt sich also bei den Four Norwegian Moods erneut der Fall eines diesmal englischen Originaltitels, der den Sinn nicht wiedergibt, und einer streng genommen falschen, aber als eigentliches Original autorisierten französischen Übertragung, die dem Sachverhalt gerecht wird und der man demgemäß bei Übersetzungen in andere Sprachen folgen müsste.

Besetzung*: a) Erstausgabe: Piccolo Flute, 2 Flutes, 2 Oboes, English horn, 2 Clarinets in B b (also in A), 2 Bassoons, 4 Horns in F, 2 Trumpets in B b, 2 Trombones, Tuba, Timpani, Strings (Violins I, Violins II, Violas, Violoncellos, Double Basses [Piccolo-Flöte, 2 Flöten, 2 Oboen, Englischhorn, 2 Klarinetten in B und A, 2 Fagotte, 4 Hörner in F, 2 Trompeten in B, 2 Posaunen, Tuba, Pauken, Streicher (ViolinenI, Violinen II, Bratschen, Violoncelli, Kontrabässe); b) Aufführungsanforderungen: kleine Flöte (= 2. große Flöte), 2 große Flöten (2. große Flöte = kleine Flöte), 2 Oboen (2. Oboe = Englischhorn), Englischhorn (= 2. Oboe), 2 Klarinetten (B und A), 2 Fagotte, 4 Hörner in F, 2 Trompeten in B, 2 Posaunen, Tuba, 3 Pauken, 2 Solo-Violinen, 1 Solo-Bratsche, Streicher (1. Violine**, 2. Violine**, Bratsche**, Violoncello**, Kontrabass).

* Die Besetzungsliste gibt die Gesamtheit aller zur Verwendung kommenden Instrumente an; die Stücke selbst sind individuell unterschiedlich besetzt.

** zweifach geteilt.

Aufbau: Es handelt sich um eine Abfolge von vier mit Überschriften versehenen, nicht numerierten, individuell apart instrumentierten kurzen Orchesterstücken in einfachster Dur-Moll-Tonalität im Stile schlichter norwegischer Volksmusik.

Aufriss

Intrada

Viertel = 106 (77 Takte [ohne Auftakt] = Ziffer 41 bis Ende Ziffer 20 3[formtypologisch A-B-A 1-C-A 2]).

    [B-Dur-Teil] (16 Takte [ohne Auftakt] = Ziffer 41 bis Ende Ziffer 3) {A}*.

    [F-Dur-Teil] (25 Takte = Ziffer 4 bis Ende Ziffer 9) {B}*.

    [B-Dur-Teil] (10 Takte = Ziffer 10 bis Ende Ziffer 12) {C = verkürzt A}*.

    Trio** [C-Dur-Teil] (17 Takte = Ziffer 13 bis Ende Ziffer 17) {D}.

    [B-Dur-Teil] (9 Takte = Ziffer 18 bis Ende Ziffer 20) {E = verkürzt A}*.

Besetzung: Tutti ohne Englisch Horn***, ohne 3./4. Horn***, B-Klarinetten ohne Mutierung nach A***, ohne Solo-Streicher, 1./2. Violinen und Bratschen geteilt.

* { } Analyse-Kennbuchstabe.

** Besetzung mit 1 B-Klarinette und 2 Fagotten.

*** Englisch Horn, 4 Hörner, B- und A-Klarinetten in der Instrumentenlegende der ersten Seite des Stücks mit vorgezeichnet.

Song (Lied)

Viertel = 66 ([C-Dur] 50 Takte = Ziffer 21 bis Ende Ziffer 30 5[formtypologisch A-B-A 1]).

    [a-moll-Teil] (24 Takte = Ziffer 21 bis Ende Ziffer 24) {A}*.

    [äolisch-a-moll-Teil] (17 Takte = Ziffer 25 bis Ziffer 29 1) {B}*.

    [a-moll-Teil] (9 Takte = Ziffer 29 2bis Ende Ziffer 30) {C = verkürzt A}*.

Besetzung: 2 große Flöten, 1 Oboe, Englischhorn, 1 Fagott, 1 Solo-Violine, 1 Solo-Bratsche, Streicher (1./2. Violinen geteilt).

* { } Analyse-Kennbuchstabe.

Wedding Dance (Hochzeitstanz)

Viertel = 124 (70 Takte = Ziffer 31 bis Ende Ziffer 45 7[formtypologisch A-B-A 1-A 2]).

    [d-moll-Teil] (20 Takte = Ziffer 31 bis Ende Ziffer 34) {A}*.

    Meno mosso Viertel = 108

    [G-Dur-Teil] (23 Takte = Ziffer 35 bis Ende Ziffer 40**) {B}*.

    [d-moll-Teil] (13 Takte = Ziffer 41 bis Ende Ziffer 44) {C = leicht verändert A}*.

    [d-moll] (7 Takte = Ziffer 45) {C = verkürzt A mit Coda-Charakter}*.

Besetzung: Tutti mit Piccolo-Flöte, 2 Oboen ohne Englisch Horn, B-Klarinetten ohne Mutierung nach A, ohne 2. Posaune, ohne Solo-Streicher, Violoncelli geteilt.

* { } Analyse-Kennbuchstabe.

** Ziffer 40 = 40 1-4Anweisung zum accelerando.

Cortège (Festzug)

Viertel = 88 {A}* (53 Takte = Ziffer 46 bis Ende Ziffer 60 5[formtypologisch A-B-A 1]).

    [G-Dur-Teil] (17 Takte = Ziffer 46 bis Ende Ziffer 49).

    Più mosso Viertel = 120 {B}*.

    [D-Dur-Teil] (20 Takte = Ziffer 50 bis Ende Ziffer 54).

    Tempo Imo Viertel = 88 {C = erweitert und durchgeführt A}*.

    [G-Dur-Teil] (26 Takte = Ziffer 55 bis Ende Ziffer 60).

Besetzung: Tutti mit Piccolo-Flöte, 2 Oboen ohne Englisch Horn, A-Klarinetten ohne Mutierung nach B, ohne 4. Horn, ohne Trompeten, ohne Posaunen, ohne Tuba, 2 Solo-Violinen, ohne Solo-Bratsche, 1./2. Violine geteilt.

* { } Analyse-Kennbuchstabe.

Vorlage: Die von Vera Strawinsky in Los Angeles aufgestöberte und von Strawinsky nur in seinem Brief an Nabokow vom 5. Oktober 1943 andeutungsweise charakterisierte, im übrigen unbenannt gelassene, für seine Stücke benutzte Volksliedersammlung findet sich 1972 von Uwe Kraemer* als Norges Melodier identifiziert. Obwohl es unter den zahlreichen Ausgaben norwegischer Volkslieder solche gibt, in denen das eine oder andere der sieben von Strawinsky verwendeten Volks- und Tanzlieder anzutreffen ist, fanden sich nur in den Norges Melodier alle nachgewiesenen Vorlagen, insgesamt sieben, gemeinsam vor. Die vier Bände erschienen in unterschiedlichen Zeitabständen zwischen 1875 und 1924. Der erste Band wurde anonym von Edvard Grieg herausgegeben, die drei weiteren von Eyvind Alnaes. Die verantwortlichen Verlage Wilhelm Hansen Musik-Forlag in Kopenhagen und Leipzig sowie Norsk Musikforlag in Stockholm und später Oslo waren Strawinsky als seine eigenen Verleger ( Concertino) und Verleger Schönbergs ( Serenade) bestens bekannt und Kraemers Mutmaßungen wurden durch die Nennung des Verlagsnamens Hansen Nabokow gegenüber zunächst zusätzlich bestätigt. Die vier Bände stellen insgesamt fünfhundert norwegische Volksliedweisen mit einer ganz schlichten Klavierbegleitung ohne Einzel- oder gar Durchnumerierung zusammen. Der erste Band enthält 123, der zweite 120, der dritte 125, der vierte 132 zum Teil mit unterlegten Texten versehene Stücke. Die Ausgabe erfüllte im Sinne des skandinavischen Nationalismus dokumentarische Zwecke, erhob aber keine Ansprüche auf Wissenschaftlichkeit. Es ist eine ausschließlich praktische Ausgabe für Volksliedfreunde mit geringen klavieristischen Fähigkeiten, ohne Vorwort, ohne Editionshinweise und auch ohne Erläuterung der Sammelprinzipien. Kraemer entdeckte darin alle von Strawinsky benutzten Volkslieder und listete sie auf. Angeblich soll es aber nicht die vierbändige Urausgabe gewesen sein, die Vera Strawinsky ihrem Mann brachte, sondern ein einbändiger amerikanischer Nachdruck aus dem Jahre 1930 (The Norway Music Album, Verlag O. Ditson, Boston), dem Strawinsky seine Vorlagen entnahm. Es schmälert nicht Kraemers Leistung, wenn es stimmen sollte. Ob Vera Strawinsky die norwegische Anthologie schon besaß und Strawinsky darauf zurückgriff, oder ob sie nach ersten Verhandlungen mit der Filmfirma mit ihrem Mann gezielt nach norwegischen Volksliedern suchte, weil die Orchestrierung einer noch dazu passenden Vorlage die Arbeit beschleunigte; ob sich Strawinskys Idee auf norwegische Volkslieder richtete oder das Vorhandensein solcher Lieder die Idee in eine bestimmte Bahn lenkte, sind Fragen, die unbeantwortet bleiben müssen.

* Uwe Kraemer: „Four Norwegian Moods“ von Igor Strawinsky, Melos, Februar-Heft 1972, S. 80[b]-84[a].

Tabelle der übernommenen Volksliedweisen

Intrada

Brurelaat

    Norges Melodier Band III, S. 16-17

      original Moderatomit Wiederholung 24 Vierviertel-Takte G-Dur

Underjordisk musik

    Norges Melodier Band IV, S. 186

      original Andante mit Wiederholungen 32 Zweiviertel-Takte A-Dur

Song

Eg rodde meg ut pas selagrunnen (Ich rudert` hinaus und hab`gefunden)

    Norges Melodier Band I, S. 39

      original Andante19 Dreiviertel-Takte a-moll

En liten gutifra Tiste dal´n

    Norges Melodier Band I, S. 42

      original Con moto14 Dreiviertel-Takte ohne Auftaktzählung a-moll

Wedding Dance

Brudeslaaten

    Norges Melodier Band I, S. 20

      original Allegro moderatomit Wiederholung 20 Zweiviertel-Takte d-moll

Cortège

Reise laat for brudefolget, near det kommer fra kirken

    Norges Melodier Band II, S. 124

      original Moderatomit Wiederholungen 20 Vierviertel-Takte G-Dur mit Modulation 2. Teil nach D-Dur

Halling

    Norges Melodier Band II, S. 59

      original Moderato mit Wiederholungen 16 Zweiviertel-Takte G-Dur

Stil: I. Die 56 Takte der beiden Vorlagen-Lieder Brurelaatund Underjordisk musikwerden bei Strawinsky um 21 auf 77 Takte erweitert, die Tonart des ersten Liedes von G-Dur nach B-Dur, die des zweiten Liedes von A-Dur nach C-Dur verschoben. Der Original-Takt 4/4 des ersten Liedes bleibt erhalten, der des zweiten Liedes 2/4 wird auf ebenfalls 4/4 erweitert und damit angepasst. Von den (ohne Wiederholung gezählt) 16 Takten des ersten Liedes übernimmt er nur die ersten 6 Takte, aus den (ohne Wiederholung gezählt) 16 Takten des zweiten Liedes die ersten 4. Aus diesen zehn Originaltakten baut er das Stück als A-B-A 1-C-A 2-Form auf. Der erste Abschnitt {A} wird ausschließlich vom ersten Lied bestritten, wobei die Vorlagentakte 5 und 6 jedesmal erweitert werden. Der {B}-Teil lebt vom frei umgestalteten Rhythmus der Vorlagentakte A, die sequenziert werden. Der {C}-Teil besteht aus einem verkürzten {A}-Teil (A 1). Den dreistimmigen Bläsersatz des Trio-{D}-Teils gestaltet Strawinsky mit den Vorlagetakten des zweiten Liedes. Der Schlussteil {E} besteht aus einem erneut verkürzten und leicht veränderten {A}-Teil (A 2), der bis auf einen Takt in der großen Flöte (Ziffer 20 1) die charakteristischen Punktierungen abglättet, wohl aber die ebenso charakteristische Triolenbewegung beibehält. –

II. Die übernommenen textierten Lieder (deshalb vermutlich Strawinskys Stücktitel Song ) Eg rodde meg und En liten bestehen original aus 19 beziehungsweise ohne Auftaktzählung 14, insgesamt also aus 33 Takten, mit denen Strawinsky die 50 Takte seines dreiteiligen Stückes bestreitet. Formtypologisch ist Song eine A-B-A 1-Form, wobei A vom ersten und B vom zweiten Lied gespeist wird. Im ersten Abschnitt {A} bleibt die a-moll-Tonalität erhalten, ebenso der originale Dreiviertel-Takt. Nach einem Einleitungstakt der Violinen, der ihrer Begleitfunktion im nächsten Takt entspricht, setzt das Englisch Horn mit der Liedmelodie ein, die der Vorlage 9 Takte lang mit kaum nennenswerter Veränderung im 4. Takt folgt. Die Takte 11/12 unterbrechen mit einem Streicherzwischenspiel. Dann geht die Melodieführung unter Fagottbegleitung an die Oboe über, folgt der Vorlage aber nur noch fragmentarisch. Strawinsky verändert die rhythmischen Schwerpunkte des Liedes, ohne den Umfang anzutasten. Die Erweiterung dieses Teils um 5 Takte auf 24 unter Weglassung eines ganztaktigen mit 3 Triolen ausgedrückten dreimaligen Jubelrufes der Vorlage geht auf den Einleitungstakt, die beiden instrumentalen Zwischenspieltakte 11 und 12 und auf die 2 Takte Überleitung vom A- zum B-Abschnitt 23 und 24 zurück. Der Abschnitt {B}, der eigentlich schon am Ende von Takt 25 als Vortakt allerdings ohne den originalen Quartsprung einsetzt, macht aus den 14 (mit Auftakt 15) Takten der a-moll-Vorlage 17 Takte Mischung aus äolisch und a-moll unter Beibehaltung des originalen Dreiviertel-Taktes. Die gesamte Melodieführung ist der 1. Flöte zugeordnet. Sie spielt die Liedmelodie der Vorlage bis auf die Schwankungen zwischen gis und g notengetreu nach und verzichtet lediglich auf den (ohne Vortaktzählung) 4. Takt und verkürzt den Schlusstakt bei Ziffer 28 1um einen Viertelwert, um unter Verzicht auf den Vortakt eine Wiederholung der (ohne Vortaktzählung) ersten 4 Takte des Liedes anzuschließen. Dabei kommt es wieder zu den charakteristischen Strawinskyschen Stauchungen, da er durch die Viertelwertverkürzung die rhythmischen Schwerpunkte des Originals um einen Viertelwert vorverlegen muss. Um trotzdem originalgetreu auskommen zu können, beginnt er Takt 16 (Ziffer 28 4) mit einer Viertelpause, und schließt dadurch einen Takt später (Ziffer 29 1) wieder im Rhythmus des Originals. Der Abschnitt {C} besteht nur noch aus 9 Takten, die dem ersten Lied entnommen sind und den ersten A-Teil verkürzen. Die Melodieführung der ersten 4 Takte ist unter geteilter Violin-Streicherbegleitung dem Englisch Horn zugeordnet, die der folgenden drei vorrangig den beiden großen Flöten unter Begleitung von Solo-Violine und Solo-Bratsche. Die beiden Schlussakkorde spielen zunächst die geteilten Violinen (Ziffer 30 4) dann die beiden Flöten, Oboe und Englisch Horn (Ziffer 30 5). Die 4 ersten Takte entsprechen der Vorlage, wobei Strawinsky, wie schon zuvor, den ersten Liedton, der im Original ganztaktig verstanden als Viertelwert mit Fermate erscheint, als Halbenote mit vorausgehender Viertelpause umschreibt. Die nächsten drei Takte greifen wechselnd zwischen Solo-Streichern und Bläsern (Flöten, Oboe) das charakteristische Triolenmotiv des Liedes auf, bevor die Pianissimo gespielten Schlussakkorde erklingen. –

III. Im Hochzeitstanzstück verwertet Strawinsky nur die ohne Wiederholung 15, mit Wiederholung 20 Takte der Volksweise Brudeslaaten, die zu einer 70 Takte umfassenden A-B-A-Form mit Coda aus A wird. In keinem anderen Stück der Four Norwegian Moods ist Strawinsky so notengetreu der Vorlage gefolgt. Die ersten 20 Takte des {A}-Teils behalten die d-moll-Tonart und den Zweiviertel-Takt des Originals bei. Die Wiederholung der ersten 5 Takte wird auskomponiert geschrieben. Für die anschließenden, aus dem Nachsatz der Volksweise genommenen 7 Takte, deren Melodie er in die Fagotte legt, gilt dasselbe. Lediglich die letzten 3 Takte wandelt er ab, weil er für seinen eigenen Mittelteil nach G-Dur modulieren muss. Dieser Mittelteil {B} aus 23 Takten ist offensichtlich frei nachkomponiert und benutzt keine Volksweise. Möglicherweise hat man sie aber bislang nur noch nicht gefunden. Strawinsky baut die Musik über ein rhythmisches Muster (Achtel-Pause, 2 Sechzehntel, 2 Sechzehntel + Achtel), das aus dem Brudeslaaten-Stück abgeleitet zu sein scheint. Der nachfolgende {C}-Abschnitt, der nach einem kurzen, nach d-moll zurückmodulierenden accelerando einsetzt und 20 Takte umfasst, übernimmt zunächst die ersten 5, mit Wiederholung 10 Takte der Vorlage mit ganz leichten, die Melodie anfangs etwas stauenden, am Ende färbenden Abweichungen, und folgt dann wieder wörtlich den 7 Takten der Nachsatz-Vorlage, um nach weiteren 3 Takten aus abgewandeltem Takt 7 in eine Art Coda zu münden. Die Coda {D} besteht aus den notenidentisch wiederholten ersten 4 Takten von {A}, die der Vorlage entsprechen, und einem offen gelassenen Modulationsschritt nach A mit Finalakkorden. –

IV. Im Festzugs-Stück verwendet Strawinsky 2 norwegische Weisen. Die erste, Reise, umfasst ohne Wiederholung 10, mit den beiden Wiederholungen von Vorder- und Nachsatz 20 Takte, die zweite, Halling, ohne Wiederholung 8, mit den drei Wiederholungen von Vorder-, Mittel- und Nachsatz 16 Takte. Aus diesen 18 beziehungsweise 36 Takten baut, besser konstruiert Strawinsky seine Bearbeitung von 53 Takten. Wie in seinen Originalkompositionen arbeitet er mit Bruchstücken, die er in unterschiedlicher Reihenfolge montiert. Formtypologisch ist Cortège wieder eine A-B-A 1-Form. Doch scheint es so, als sei es Strawinsky leid geworden, immer nur der Vorlage im Volksliedstil zu folgen. In Cortège kommt es daher nicht nur zu leichten Imitationsgebilden, sondern innerhalb der Takte kombiniert er auch mehrfach das Ende einer Taktmelodie mit dem Anfang einer anderen, was bei der tonalen Schlichtheit der Vorlage nicht unbedingt schwierig zu bewerkstelligen war. Den ersten Abschnitt {A} bestreitet er nach einem zweitaktigen auftaktlosen Vorspiel aus Rhythmuselementen der Vorlage mit Fragmenten aus dem ersten Lied. Die Originaltonart G-Dur bleibt erhalten, der Originaltakt Vierviertel wechselt streckenweise taktweise zwischen Vierviertel, Dreiviertel und Zweiviertel. Notenidentisch übernimmt er zunächst nur die ersten beiden Takte der Vorlage als Takt 3 und 4 mit Melodiegebung in den Violinen, lässt für einen Takt die charakteristische Fagottbegleitung weiterlaufen, deren Rhythmus Achtel-Sechzehntel den ganzen Abschnitt bindet, kehrt zu den beiden Takten als Takt 6 und 7 zurück und imitiert die Melodie bei Takt 7 und 8 in Oboen und Fagotten. Die Takte 9 bis 12 übertragen die Vorlagentakte 3, 4, 5 und 6 mit Melodieführung im 1. Horn, wobei er noch in der zweiten Takthälfte von Takt 12 wieder zu den ersten beiden Takten der Vorlage mit identischer Instrumentierung zurückkehrt, die sich wegen der Taktänderung bis hin in den 14. Takt erstreckt (Ziffer 49), um für diesen Takt wieder Takt 7 der Vorlage mit Hornmelodie zu benutzen, führt ihn aber, immer noch im Horn, als Takt 15 und 16 mit Takt 5 und 6 der Vorlage weiter. Der letzte Takt 17 entspricht dem ersten Achtel der Wiederholungsklausel 6 der Vorlage und füllt die Restzeit mit Pausen auf. Strawinsky würfelt praktisch die Vorlage passend durcheinander. Das Verfahren lässt sich schematisch darstellen. Der Mittelteil {B} verschiebt die G-Dur-Vorlage nach D-Dur, behält den Zweivierteltakt bis auf eine Stelle (Takt 17 = Ziffer 54 1) bei und macht aus 8, mit Wiederholung 16 Takten der Vorlage 20 Takte. Das Verfahren ist dasselbe wie beim {A}-Teil. Strawinsky schneidet aus der Vorlage Einzeltakte, Fragmente und Rhythmuselemente aus und setzt sie auf andere Weise zusammen. Die ersten 4 Takte sind die beiden, schon im Original wiederholten, ersten beiden Takte von Halling. Der folgende Komplex der Takte 5 bis 7 besteht aus Takt 1 der Vorlage und aus einer dreimaligen, permutierten, getrennten Viersechzehntelfigur, die Takt 6 der Vorlage entnommen ist, aber durch Zwischenschaltung eines einzelnen Sechzehntelwertes eine Binnenrhythmusverschiebung bewirkt. Die Takte 8 bis 12 kombiniert er wieder aus den Vorlagetakten 1 und 2. Takt 13 (bis einschließlich Takt 16 ein Klarinetten-Zwiegespräch) ist eine Kombination aus dem 2. Halbtakt von Takt 3 mit dem 1. Halbtakt von Takt 4 der Vorlage. Der zweite Halbtakt von Takt 4 der Vorlage bildet den ersten Halbtakt von Takt 14. Für den Rest von Takt 14 bis zur ersten Hälfte von Takt 16 kehrt er zur Permutationsfigur von Takt 6 = Takt 6 der Vorlage zurück. Der Rest von Takt 16 ist eine Auslauffigur in den um einen Viertelwert erweiterten Takt 17, in dem Takt 2 der Vorlage mit Begleitfiguren kombiniert wird. Die restlichen Takte 18 bis 20 entsprechen wieder den ersten beiden Takten der Vorlage. Auch hier lässt sich ein Verknüpfungsschema herstellen, sofern man bedenkt, dass Strawinsky in diesem Mittelteil Einzeltakte der Vorlage auseinanderbricht oder ineinanderstaucht. Der Schlussteil {C} kehrt zur ersten Melodie zurück, erweitert aber mit 26 Takten die Vorlage beträchtlich. Der Reiz besteht in der Kombination von verschiedenen Vorlagetakten und gleichzeitig deren Sequenzierungen. Die Bearbeitung lässt sich nicht mehr so einfach in einem Schema darstellen, weil sich die Takte durchdringen. Die Tonalität bleibt unberührt, das originale Taktschema wird weniger häufig und nur durch Dreivierteleinheiten durchbrochen. Takt 1 entspricht der Vorlage. Takt 2 ist deren Wiederholung, allerdings wechselt die Melodiestimme vom Fagott in die 1. Oboe. Takt 3 entspricht in der 1. Oboe Takt 2, in der 2. Oboe Takt 3 und 9 der Vorlage. Takt 4 verbindet zahlreiche kleinste Melodie- und Rhythmus-Bröckchen aus allen, der Bearbeitung überhaupt zugrundeliegenden Takten. Die Takte 5 bis 8 sind wie schon bei {A} aus der Wiederholung der ersten beiden Takte der Vorlage konstruiert. Takt 9 bildet mit Takt 8 die Imitation der ersten beiden Takte in der 1. Oboe. Die Takte 10 bis 13 der Hornstimme entsprechen Vorlage Takte 3 bis 6. Dabei wird in Takt 13 Violinstimme der zweite Halbtakt von Vorlage Takt 1 mit hineingearbeitet und mit Vorlage Takt 2 und 3 rhythmusverschoben bis nach Takt 15 weitergeführt. Dort setzt erneut die Hornstimme mit Vorlage Takt 3 ein, überschlägt Takt 4 und fährt mit Takt 5 und 6 der Vorlage fort. Sie endet bei Takt 17 der Bearbeitung. Das Spiel wiederholt sich, weil in diesem Takt bis Takt 20 wieder die Violinstimme zweimal mit den Vorlage-Takten 1 und 2 zu hören ist, selbst aber wieder bei Ende 19 bis 21 von den Oboen imitiert wird. Deren über 5 Takte 22 bis zum ersten Viertelwert 26 ausgehaltenes und von den Streichern abschließend akklamiertes unisono-d beendet Stück und Komposition als eine Art Coda.

Konstruktionstabelle

A-Teil B-Teil A1-Teil
Takte Takte Takte
Strawinsky Vorlage Strawinsky Vorlage Strawinsky Vorlage
 01  00  01  01  01  01
 02  00  02  02  02  01
   #  03  01  03  (X)
 03  01  04  02    #
 04  02    #  04  (X)
   #  05  01  #  
 05  00  06  (6)  05  01
   #  07  (6)  06  02
 06  01    #  07  01
 07  02  08  01  08  02+01
 08  02  09  02  #  
   #  10  01  09  02
 09  03  11  01  10  03
 10  04  12  02  11  04
 11  05    #  12  05
 12  06+01  13  03+04  13  06+01
   #  14  04+(06)  #  
 13  01+02  15  06  14  06+02
   +  16  06+00  15  03
 14  02+09  17  02  16  05
 15  05    #  17  06+01
 16  06  18  01  #  
 17  06  19  01  18  02
     20  02  19  01
         20  02+01
         21  02
         22  (Coda)
         23  (Coda)
         24  (Coda)
         25  (Coda)
         26  (Coda)

* According to Helmut Kirchmeyer: Verfahrenstechniken Strawinskyscher Bearbeitungen, in: Musikinformatik und Medientechnik, Musikwissenschaftliches Institut der Universität Mainz, Bericht Nr. 40, März 2000, 17 S.

Widmung: keine Widmung bekannt.

Dauer: 2'24" (Intrada), 2'13" (Song), 1'15" (Wedding Dance), 2'13" (Cortège).

Entstehungszeit: Hollywood Frühjahr bis 18. August 1942.

Uraufführung: 13. Januar 1944 im Sanders Theatre, Cambridge, Massachusetts, mit dem Boston Symphony Orchestra unter der Leitung von Igor Strawinsky.

Bemerkungen: Ohne Strawinskys eigene Angaben würde man heute nicht einmal mehr den Grund der Entstehung der Four Norwegian Moods kennen. Ihnen zufolge haben die vier Stücke eine zweifache Entstehungswurzel. Die eine beginnt mit dem Auftrag einer Hollywooder Filmfirma, Musik zu einem antinationalsozialistischen Film zu schreiben, der die Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg behandeln sollte, die andere mit dem Antiquariatsbesuch seiner Frau. Um welche Filmfirma es sich gehandelt hat, wann der Auftrag erfolgte, welche Volksliedsammlung Vera Strawinsky erwarb, bleibt ungesagt. Auch den Namen des Films hatte Strawinsky vergessen, als man ihn um 1959 danach befragte. Die Entstehungszeit Frühjahr bis Herbst 1942 der Komposition ergibt sich schlüssig aus den gesicherten Rahmendaten. Die Besetzung Norwegens war eine Kriegssache der Monate April bis Juni 1942. Der Landungsbefehl erging am 2. April, Narvik wurde am 9. April durch deutsche Gebirgsjäger besetzt, am 28. Mai jedoch von aliierten Verbänden zurückerobert, die, erneut von deutschen Truppen geschlagen, am 8. Juni Norwegen verließen. Vor dem 9. April kann es also keinen Auftrag an Strawinsky gegeben haben, weil der norwegische Tatbestand noch nicht vorlag. Im Laufe des Mai sah es noch nach einem Sieg der Engländer aus und bot ein gutes Schlachten-Film-Szenarium für einen Verbündeten. Möglicherweise hat Strawinsky für das zweite Instrumentalstück nicht ohne Grund ein Lied ausgewählt, dessen Text die Verjagung eines anderen aus den eigenen Gewässern schildert. Während die erhaltenen Kompositions-Skizzen, für Strawinsky ganz ungewöhnlich, weder signiert, noch datiert sind, trägt das ebenfalls erhaltene Orchesterautograph das Abschlussdatum 18. August 1942. Demnach vollzog sich die Arbeit an den Four Norwegian Moods, so wie wir sie heute kennen, zwischen frühestens Mitte April bis 18. August 1942. Dem inzwischen bescheiden in Hollywood lebenden Strawinsky musste an einer baldigen Fertigstellung gelegen sein, um den neuerlich auftretenden finanziellen Sorgen auszuweichen.Deshalb arbeitete Strawinsky sehr schnell. Die Musik hatte auch gefälliger als gewohnt auszufallen. Beides erleichterte den Gedanken an eine Volksliedersuite. Am 5. Oktober 1943 unterrichtete Strawinsky aus Hollywood Nicolas Nabokow über seine Komposition, erläuterte seine Vorstellung von Mood als Modus und brachte in einer Anmerkung die Volksliederausgabe zur Sprache. Von Vera ist da keine Rede und auch nicht von einem Antiquariat. Diesem Brief zufolge hat er die Ausgabe in einer öffentlichen Bibliothek selbst gefunden. Hier nennt er auch den Verlag Hansen, datiert die Ausgabe auf den Anfang des Jahrhunderts und nennt die Stücke authentisch, abgesehen von ihrer ästhetischen Darbietung, die von Grieg, Sinding, Svendson etc. sei. Nun müssen sich diese beiden Darstellungen nicht unbedingt widersprechen. Ein Antiquariat kann auch eine Bibliothek sein und umgekehrt, und Strawinsky hat den Begriff Bibliothek gewiss nicht fachbibliographisch definiert gebraucht. Es gab zahlreiche Gründe, Nabokow gegenüber, wo es nicht um eine Sachfrage oder um die Entstehungsgeschichte einer Komposition, sondern nur um eine kurze Nebenbeiunterrichtung ging, einen Sachverhalt ganz knapp und skelettiert darzustellen. Craft gegenüber Jahre später war das von der Fragestellung her schon anders zu sehen. Voigt unterrichtete er mit Schreiben vom 25. Juli 1942 über die Fertigstellung einer, wie er sich ausdrückte, kleinen Suite über norwegische Volksweisen ( a little suite on Norwegian folk tunes). Die Dauer gab er mit 7 Minuten an. Die Versendung an den Verlag hat Strawinsky offensichtlich ein wenig hinausgezögert, nachdem er mit einer Studio-Musikergruppe Verbindung bekommen hatte, die Komponisten Gelegenheit gab, ihre Stücke probeweise anzuhören, also das machte, was man in Frankreich zur Wagnerzeit Auditionen nannte. Jedenfalls ist das einem Brief zu entnehmen, den Strawinsky am 4. September 1942 an Voigt schickte. Von den Stücken muss es bald eine Tonaufnahme gegeben haben. Das geht aus einem Brief hervor, den Strawinsky am 11. Februar 1944 an Hugo Winter ebenfalls von Associated Music Publishers gerichtet hat. Dem Brief entnimmt man Bemühungen Kussewitzkys, Strawinskys Bostoner Programm anderntags unter eigener Leitung zu wiederholen und die Circus-Polka aufzunehmen. Strawinsky rät Winter, seine Aufnahme von Symphonie, Norwegischen Stücken und Zirkus-Polka an Kussewitzky zu schicken, damit dieser wisse, worum es gehe und kein Raum für Mutmaßungen (Strawinsky gebraucht das englische Wort conjecture) bleibe. – In den wenigen Äußerungen Strawinskys über die Entstehungsgeschichte der Four Norwegian Moods wies er Vermutungen zurück, Griegvorlagen aufgegriffen zu haben; trotzdem ist die Griegsche Handschrift nicht zu überhören. Mit der Übernahme der nicht verfremdeten Melodien und vor allem auch der harmonischen Vorlage übernahm Strawinsky zwangsläufig auch das melodische und harmonische Denken Griegs. Unterstellt man, dass Strawinsky nicht wissen konnte, dass es sich bei dem anonymen Bearbeiter um Grieg handelte, obwohl er seinem Brief vom 5. Oktober 1943 an Nobokow entsprechend die Griegsche (aber auch die Sindingsche etc.) Handschrift erkannt hatte, und man außerdem nicht weiß, ob in seinem gekauften Exemplar ein Herausgebervermerk gegebenenfalls handschriftlich angebracht worden war, so hatte er allenfalls subjektiv recht, wenn er eine unmittelbare Beeinflussung durch den norwegischen Komponisten ausschloss. Recht hatten aber auch seine Kritiker, die das zu Lebzeiten auch nicht wussten, aber Griegs Handschrift vor allem im 2. und 3. Stück heraushörten.

Film-Daten: Mitte 1942 begannen in Hollywood nach der Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen Dreharbeiten für einen antinationalsozialistischen amerikanischen Propagandakriegsfilm, zu dem Strawinsky die Musik schreiben sollte. Das nach einem amerikanischen Regierungsaufruf zur Herstellung antideutscher Filme von columbia pictures angenommene Drehbuch hieß Commandos strike at Dawn (Kommando im Morgengrauen) und arbeitete mit den typischen Versatzstück-Mitteln vom tadellosen Heldentum der eigenen Partei und der bösartigen Dummheit des Gegners. Regie führte John Farrow, Hauptdarsteller waren Lilian Gish und Paul Muni. Der Schwarz-Weiß-Film dauert 98 (nach französischen Quellen*: 99) Minuten (8,973 ft.) und basiert auf einer Geschichte von C. S. Forester, die im „Cosmopolitan magazine“ veröffentlicht wurde. Vor der Vertonung hat Strawinsky weder den Film gesehen noch Foresters Vorlage gekannt, sondern sich ausschließlich nach dem Drehbuch gerichtet. – „ Admiral Bowen verbringt im Sommer 1939 mit seiner Tochter Judith und seinem Sohn Robert Ferien in einem norwegischen Fjorddorf. Judith verliebt sich in Eric Toresen, der seit dem Tod seiner Frau dort allein mit seiner Tochter lebt. Als die Deutschen kommen, geht er in den Untergrund und verwandelt sich aus einem schüchternen Menschen in einen unbarmherzigen „franc-tireur“. In den Bergen entdeckt er einen neuen deutschen Luftwaffenstützpunkt, der in den nächsten vierzehn Tagen ausgebaut werden soll. Torsten setzt mit einem halben Dutzend Dorfbewohnern in einem kleinen Boot nach England über. Admiral Bowen ordnet ein Kommandounternehmen an, sein Sohn befehligt die Landetruppen und Toresen dient als Führer. Das Unternehmen ist erfolgreich, aber die Deutschen haben Toresens Tochter als Geisel genommen. Daraufhin greift das Kommando das Dorf an. Das kleine Mädchen und andere norwegische Dorfbewohner können gerettet werden, aber Toresen und Robert finden dabei den Tod.“ [The distinction of this C. S. Forester story is the feeling of reality the director has given it by exploiting natural scenery and restrained acting. Most of the scenes are out-of-doors, and the gorges of Newfoundland (eftective film substitute for Norwegian fjords) make an impressive background. Paul Muni, playing a younger role than most he has had recently, presents the transition of Torensen – from the diffident serious young man of peace to the ruthless alert franc-tireur– with a sureness of touch which is rnasterly. By contrast with the deft underplaying in the rest of his performance, the convulsions of his dying (when he is shot) are so violently gruesome that one wonders what other player could have made them convincing. Sir Cedric Hardwicke as the admiral and Robert Coote as his son head a sound supporting cast. The enthusiasm and vigour of a force of Canadian troops in the Commando battle scenes contributes in no small measure to their verisimilitude.**] – Der Film lief seit Winter 1942/43 mit mäßigem Erfolg, wurde in Frankreich ( LE COMMANDO FRAPPE A L’AUBE), aber nie in Deutschland gezeigt. – Die von Strawinsky herausgesuchten 7 Lieder ergaben 4 harmlos-idyllische Stücke, die für den Hollywood-Zweck wie den Hollywood-Stil denkbar ungeeignet waren, so dass die Filmleute nichts damit anfangen konnten. Der Film wurde zwar gedreht, aber die Musik schrieb statt Strawinsky Louis Gruenberg, ein 1883 in Russland geborener, in New York aufgewachsener Opern- und Konzertkomponist, der wie Strawinsky nicht aus der Filmbranche kam, aber während der vierziger Jahre einige Beiträge für Hollywood lieferte. Das ist die eine Version. Es könnte aber auch sein, dass Strawinsky mit seinen eigenen Vorstellungen von Filmmusik an dem Kriegsfilm nicht interessiert war und den Auftrag nur aus Geldnöten annahm, wie in vielen anderen Fällen damals auch, ihn daher eher mit der linken Hand und schon in der voraussehenden Absicht erledigte, seine Musik konzertant zu lassen. Dafür würde sprechen, dass er die Four Norwegian Moods gleich als Konzertpartitur und ausschließlich nach dem Drehbuch und einigen daraus ausgesuchten Szenen schrieb, was ihre Benutzung als unbearbeitete Filmmusik von vorne herein ausschloss.

* La Saison Cinematographique 1945-47, Paris, S. 53[b-c].

** Monthly Film Bulletin, London, 30. April 1943, p.39[a-b].

Filmprojekte: Obwohl Strawinsky während seiner amerikanischen Zeit viele Jahre in unmittelbarer Nähe der Filmmetropole Hollywood lebte und es auch an Filmangeboten gewiss nicht mangelte, sind ausnahmslos alle Strawinskyschen (wie auch Schönbergschen) Filmprojekte fehlgeschlagen. Beide Komponisten kamen nicht damit zurecht, in einem Kinofilm mit ihrer Kunst dienende Funktionen ausüben zu müssen. An der Trickverfilmung von Renard für Walt Disney hatte Strawinsky schon zu arbeiten begonnen, auch das Norwegenprojekt war von seiner Seite aus weitgehend abgeschlossen, es scheiterte aber, obwohl Disney an Strawinsky interessiert war, wie sein in Fantasia verwerteter Auschnitt aus dem Sacre gezeigt hatte. Dass allerdings die harmlosen Grieg-Imitationen der Four Norwegian Moods nicht für einen deutschfeindlichen Propagandafilm amerikanischen Zuschnitts taugten, setzt die Filmemacher nicht ins Unrecht, um so weniger, wenn man Strawinskys späterer Behauptung Glauben schenkt, er habe die Stücke gar nicht genuin für den Film, sondern gleich für die Konzertpraxis geschrieben. Strawinsky berichtete, man habe ihm für eine Filmmusik hunderttausend Dollar geboten und nach seiner Trotzdem-Weigerung dieselbe Summe, wenn er nur seinen Namen hergäbe und die Musik einen anderen schreiben lasse. Es gehe, so Strawinsky, bei Filmleuten immer nur ums Geld, und daher habe er an sich immer gerne mit ihnen verhandelt, weil sie sich nicht hinter künstlerischen Argumenten versteckten. Aber sowohl Schönberg wie Strawinsky lehnten die künstlerischen Bedingungen der Filmleute ab. Strawinsky zitierte bei dieser Gelegenheit Schönbergs Ihr tötet mich, um mich vor dem Hungertod zu retten. Um mit einem Film Geld zu machen, muss er verkauft werden können, und um einen Film gewinnträchtig zu verkaufen, muss er einem Massengeschmack genügen, weil nur über Masse die Kosten zurückgespielt werden können. Die Musiken für Kenner Strawinskys wie Schönbergs taugten dafür nicht, es sei denn, man hätte wie in bestimmten französischen Produktionen Cocteaus einen reinen Kunstfilm gedreht, dessen Mittelpunkt die Schönbergsche oder Strawinskysche Musik bildete. Dazu ist es nie gekommen. Strawinsky ließ es sich nicht nehmen, im Zusammenhang mit den Erklärungen über seine Erfahrungen mit Filmleuten Schönbergs Musik zu einer Lichtspielszene als beste Filmmusik überhaupt zu bezeichnen, mit der bösen Pointe, sie sei es vermutlich deshalb, weil es dazu keinen Film gäbe.

Bedeutung: Die Einschätzung der historischen Bedeutung der Stücke ist von der Vorgabe abhängig, ob sie als Bearbeitung oder als selbständiges Werk gesehen werden. Wertet man sie als Bearbeitung, dann handelt es sich um eine nach Strawinsky-Art konstruierte und gut gemachte Instrumentierung einer eigenwillig erweiterten Volksliedvorlage – wertet man sie als Komposition, dann bilden sie eine gefällige, aber wenig aufregende Stilkopie norwegischer Volkslieder nach Grieg, deren heutige Noch-Kenntnis ausschließlich mit dem Namen Strawinsky zusammenhängen dürfte.

Fassungen: Die Four Norwegian Moods erschienen im Oktober 1944 als Taschenpartitur in einer Auflage von 1023 Stück bei Associated Music Publishers in New York. Der Verlagsvertrag wurde am 10. November 1942 geschlossen. Strawinsky erhielt ein festes Honorar von 500 Dollar und die üblichen Beteiligungen einschließlich seines Prozentanteils am Ladenverkaufspreis der Taschenpartitur. Im Erscheinungsjahr bis Mitte 1945 setzte man 152 Partituren ab und verschenkte 103. Bis Juni 1947 kamen 280 Verkäufe und 28 Freistücke hinzu. Dirigierpartitur und Stimmen waren nur als Leihmaterial erhältlich. Später (1973) nahm der Mainzer Schott-Verlag die Taschenpartitur in seine Reihe Musik des 20. Jahrhunderts auf.

Historische Aufnahmen: New York 5. Februar 1945 mit dem New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Igor Strawinsky; Toronto 29. März 1963 mit dem Canadian Broadcasting Corporation Symphony Orchestra unter der Leitung von Igor Strawinsky.

CD-Edition: VI/13-16 (Aufnahme von 1963).

Autograph: Eine Photokopie des Autographs aus dem Nachlass Nadia Boulangers befindet sich in der Pariser Nationalbibliothek, das Particell in der Paul Sacher Stiftung Basel.

Copyright: 1944 durch Associated Music Publishers, Inc., New York.

Ausgaben

a) Übersicht

65-1 1944 Tp; Associated Music Publishers New York; 48 S.; A. S. 19449.

    65-1Straw1 ibd. [mit Eintragungen].

    65-1Straw2 [mit Eintragungen].

65-2 [1973] Tp; Schott Mainz; 32 S.; 43400 ; 6333.

b) Identifikationsmerkmale

65-1 Igor Stravinsky / FOUR / NORWEGIAN MOODS / for orchestra / (1942) / [Vignette] / Miniature Score . . . . $ 1.75 / ASSOCIATED MUSIC PUBLISHERS, INC. / New York / Printed in U. S. A. // Igor Stravinsky / FOUR / NORWEGIAN MOODS / (1942) / [#] Page / Intrada* 2 / Song* 18 / Wedding Dance* 23 / Cortège* 37 / Orchestra material available on rental / Time 8½ minutes / ASSOCIATED MUSIC PUBLISHERS, INC. / New York / Printed in U. S. A. // (Taschenpartitur klammergeheftet 15,2 x 23 (8° [gr. 8°]); 48 [47] Seiten + 4 Seiten Umschlag dünner Karton schwarz auf hellgrüngrau [Außentitelei mit mittenzentrierter Bildvignette 5,1 x 5,6 lyragekrönter Frauenkopf mittig auf vorhanggeöffneter Bühne mit Blick zum Betrachter, 2 Leerseiten, Leerseite mit schraffierter mittenzentrierter Vignette 2,1 x 2,6 >AMP-Music<**] + 1 Seite Vorspann [Innentitelei]; Kopftitel >Four Norwegian Moods<; Autorenangabe 1. Notentextseite paginiert S. 2 ober- und unterhalb Satztitel >Intrada< rechtsbündig zentriert >IGOR STRAVINSKY / 1942<; Rechtsschutzvorbehalt 1. Notentextseite unterhalb Notenspiegel halblinks >Copyright, 1944, by Associated Music Publishers, Inc., New York<; Herstellungshinweis S. 2 unter Notenspiegel rechtsbündig >Printed in U.S.A.<; Platten-Nummer >A. S. 19449<; ohne Endevermerk) // (1944)

* Satzbezeichnung linksbündig, Distanzpunkte bis Seitenangabe, Seitenangabe rechtsbündig.

** das Wort >Music< steht gegen den Buchstaben >P< unterhalb des Bauches senkrecht und hat als Silbe dieselbe Punktgröße wie der halbe Einzelbuchstabe.

65-1Straw1

Strawinskys Exemplar ist auf der Außentitelei oberhalb Namen rechts mit >IStr< und auf der Innentitelei rechts neben >FOUR< und unter >NORWEGIAN MOODS< mit >I Strawinsky / 27 Oct. I944< signiert und datiert. Auf der leeren Rückseite des Außentitels notierte er eine Übersetzungsprobe > - deutlich / - rhythmi / - klar / - <. Darüber hinaus enthält das Exemplar keine Korrekturen, sondern ausschließlich Dirigieranweisungen.

65-1Straw2

Das zweite Nachlassexemplar ist ungezeichnet und enthält bei Ziffer 41 1oberhalb des Piccolo-Systems die Anmerkung >Viertel = I24<, unterhalb des Fagott-Systems die Anmerkung > Tempo 1 °<, oberhalb des Violin-Systems der 1. Violoinen die Anmerkung >Viertel = I24<.

65-2 Schott / Musik des 20. Jahrhunderts / [°] / Strawinsky / Four Norwegian Moods / for Orchestra / Vier norwegische Impressionen / für Orchester / Ed. 6333 / [Vignette] // IGOR STRAWINSKY / Four Norwegian Moods / for Orchestra / (1942) / Vier norwegische Impressionen / für Orchester / Studien-Partitur / Edition Schott 6333 / B. Schott's Söhne · Mainz / Schott & Co. Ltd. · London / Schott Music Corp. · New York // (Partitur fadengeheftet 19,2 x 27,3 (4° [Lex. 8°]); 52 [47] Seiten + 4 Seiten Umschlag schwarz auf leuchtend gelb [rechtsbündig gesetzte Außentitelei mit Vignette 0,7 x 1,2 gelb in schwarzem Block Rad im textlosen Spiegel, 2 Leerseiten cremeweiß, Seite mit verlagseigener Werbung leuchtend gelb >Schott / Music of the 20 th Century<* ohne Stand] + 6 Seiten Vorspann [rechtsbündig gesetzte Innentitelei, Leerseite, rechtsbündig gesetzte Orchesterlegende >Orchestra< englisch + Spieldauerangabe [8½'] englisch<, Leerseite, rechtsbündig gesetztes Satzverzeichnis >Intrada / Song / Wedding Dance / Cortège<, Leerseite] + ohne Nachspann; Kopftitel in Verbindung mit Autorenangabe und unnumeriertem Satztitel 1. Notentextseite unpaginiert [S. 6] rechtsbündig >Igor Strawinsky / Four Norwegian Moods / (1942) / Intrada<; Rechtsschutzvorbehalt 1. Notentextseite unterhalb Notenspiegel rechtsbündig >© Associated Music Publishers, Inc., New York, 1944 / © assigned to B. Schott's Söhne, Mainz, 1968<; ohne Kompositionsschlussdatierung S. 52; Herstellungshinweis in Verbindung mit englischer Preisangabe Umschlagwerbeseite unterhalb Werbeblock linksbündig >Printed in Germany< rechtsbündig >70 s<; Platten-Nummer [nur] in Verbindung mit Herstellungshinweis S.52 rechtsbündig als Endevermerk >Verlag: B. Schott's Söhne, Mainz 43400<) // [1973]

° [fast] seitenbreiter Trennstrich waagerecht.

* Angezeigt werden zweispaltig mit Editionsnummern ohne Distanzpunkte in der Schott-Reihe Kompositionen von >Wolfgang Fortner< bis >Bernd Alois Zimmermann<, an Strawinsky-Werken >Igor Strawinsky / Ode. Triptychon für Orchester (1943) Ed. 5942 / Scherzo fantastique Ed. 3501 / Danses concertantes< Ed. 4275, sowie in der Eulenburg-Reihe ohne Strawinsky-Nennung Kompositionen von >Tadeusz Baird< bis >Goffredo Petrassi<. Die Werbeseite trägt unterhalb des Werbeblocks linksbündig den Herstellungshinweise >Printed in Germany< rechtsbündig die Angabe >70 s<.


K Cat­a­log: Anno­tated Cat­a­log of Works and Work Edi­tions of Igor Straw­in­sky till 1971, revised version 2014 and ongoing, by Hel­mut Kirch­meyer.
© Hel­mut Kirch­meyer. All rights reserved.
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