K092 Doppelkanon

Written on . Last updated on .

english K092 Double Canon

K92 Double Canon

for String Quartet – Doppelkanon für Streichquartett –Double Canon pour quatuor à cordes – Doppio Canone alla memoria del pittore Raoul Dufy, per quartetto d’archi

Besetzung: 1. Violine, 2. Violine, Bratsche, Violoncello.

Aufbau: Bei dem Double Canon handelt es sich um ein kurzes, streng nach den vier Grundgestalten zwölftönig gearbeitetes vierstimmiges Streichquartettstück im Umfang von 20 Takten durchgehend mit Viertel = 60 metronomisiert. Dabei ordnete Strawinsky jedem der vier Streichinstrumente Reihen-Durchführungen von in der Regel 4 bis 5 Takten Umfang zu, wobei die beiden Violinen den ersten, Bratsche und Violoncello den zweiten Kanon bilden und der zweite Kanon in den ersten mittig eingeschoben wird. Die erste Violine beginnt mit der Grundreihe (Takt 1-5) und wiederholt sie unverändert (Takt 6-9). In den nächsten 5 Takten (Takt 10- 14) schließt sich die reversive Inversion an, die ebenfalls wiederholt wird (Takt 15-20), wobei die letzten beiden Takte 19 und 20 nur den Reihen-Schlusston d2 ganztaktig aushalten. Die zweite Violine setzt in Takt 2 ebenfalls mit der Grundreihe, aber im Abstand einer großen Untersekunde ein (Takt 2-6) und folgt mit einer Wiederholung der Grundreihe jetzt auf dem Originalton eingestrichen fis (Takt 7-10), um in Takt 11 zu pausieren, übrigens die einzige Ganztakt-Pause, die im Double Canon vorkommt. Die zweite Violine übernimmt in Takt 12 die reversive Inversion, jetzt allerdings im Abstand der großen Obersekunde (Takt 12-15), und wiederholt sie (Takt 16-20) auf dem Originalton. Die Bratschenstimme beginnt in Takt 5 mit einer zweimaligen Reversion der Grundreihe auf dem Originalton (Takt 5-8 und 9-13) und setzt damit den Doppelkanon in Gang. Das Violoncello antwortet in Takt 6 ebenfalls zweimal reversiv, zunächst im Abstand einer verminderten Septe (Takt 6-9) und dann im Abstand einer Oktave (Takt 10-14). Hier schließt der zweite Kanon, während der erste bis Takt 20 weiterläuft.

Aufriss

Viertel = 60 [20 Takte].

Reihe: fis1-f1-a1-gis1-g1-d2-c2-dis2-e2-cis2-h1-ais1.

Widmung: > Raoul Dufy in Memoriam< [Raoul Dufy zum Gedenken].

Dauer: 1'19".

Entstanden: Venedig September 1959.

Uraufführung: am 10. Januar 1960 in der New Yorker Town Hall im Rahmen des Strawinsky-Musikfestes.

Bemerkungen: Der Double Canon war ursprünglich als eine Art von Albumblatt gedacht und entstand im September 1959 in Venedig, als man privaterseits von Strawinsky ein Autograph erbat. Strawinsky entwarf das Stück zunächst als Duett für Flöte und Klarinette und somit für dieselbe Grundbesetzung, die er schon im Epitaphium gewählt hatte. Vor allem um einer Wiederholung auszuweichen, ist es nicht bei dieser Besetzung geblieben. Etwas später erweiterte er das Stück zu einem Doppelkanon und stellte das Instrumentarium auf Streichquartett um. Mit Raoul Dufy, der am 3. Juni 1872 in Le Havre geboren wurde, Einflüsse von Cézanne und Matisse aufnahm, Rennplätze, Segelboote, beflaggte Straßen, aber auch Landschaften und Stilleben malte und große Wandflächen gestaltete und am 23. März 1953 in Forcalquier im Departement Alpes-des-Hautes in der Provence verstarb, hat das Stück kompositorisch weder vom Anlass noch von der Durchführung her etwas zu tun gehabt. Strawinsky ist dem Maler zu Lebzeiten nicht einmal begegnet; ob ihm der helle, lichtdurchflutete Stil besonders zusagte, sei dahingestellt. Strawinsky hat Dufy aus in der Literatur bislang nicht ersichtlichen Gründen den Doppelkanon lediglich später in memoriam gewidmet. Deshalb kann der Double Canon im eigentlichen Sinne nicht als Memorialwerk gelten.

Fassungen: Vom Double Canon erschien 1960 im Verlag Boosey & Hawkes ( Hawkes & Son) ein einseitiges Partiturblatt als unpaginierte Seite C einer vierseitigen Ausgabe für Streichquartett im Quartformat. Der Verlagsvertrag mit Boosey & Hawkes wurde am 4. Januar 1960 geschlossen.

Historische Aufnahme: Hollywood 25. Januar 1961 mit den Geigern Israel Baker und Otis Igleman, dem Bratschisten Sanford Schonbach und dem Violoncellisten George Neikrug.

CD-Edition: XII/4.

Autograph: Reinschrift nebst Skizzen befinden sich in der Paul Sacher Stiftung Basel.

Copyright: 1960 durch Hawkes & Son, London.

Ausgaben

a) Übersicht

92-1 1960 Streichquart.-Ausgabe; Boosey & Hawkes (Hawkes & Son) London; 4 S.; B. & H. 18706.

    92-1 [ 65 ] [1965] ebd.

b) Identifikationsmerkmale

92-1 IGOR STRAWINSKY / DOUBLE CANON / Raoul Dufy/ in memoriam* / BOOSEY & HAWKES // (Partitur-Ausgabe als Bogen 23,3 x 31 (4° [4°]); 4 [1] Seiten unpaginiert [Titelseite, Leerseite, Notentextseite, Leerseite]; Kopftitel >DOUBLE CANON / Raoul Dufy / in / Memoriam* / IGOR STRAWINSKY / 1959<; Autorenangabe Notentextseite unter Kopftitel rechtsbündig zentriert >IGOR STRAWINSKY / 1959<; Rechtsschutzvorbehalt Notentextseite unterhalb Notenspiegel linksbündig >All rights reserved / © 1960 by Hawkes & Son (London), Ltd.<; Herstellungshinweis Notentextseite unterhalb Notenspiegel rechtsbündig >Printed in England<; Platten-Nummer Notentextseite rechtsbündig als Endevermerk >B. & H. 18706<) // (1960)

* unterschiedliche Majuskel-Minuskel-Schreibung original.

92-1[65 ] IGOR STRAVINSKY / DOUBLE CANON / Raoul Dufy/ in memoriam° / BOOSEY & HAWKES // (Partitur-Ausgabe als Bogen 22,6 x 30,7 (4° [4°]); 4 [1] Seiten unpaginiert [Titelseite, Leerseite, Notentextseite, Seite mit verlagseigener Werbung >Igor Stravinsky<* Stand >No. 40< [#] >7.65<]; Kopftitel >DOUBLE CANON / Raoul Dufy / in / Memoriam° / IGOR STRAVINSKY / 1959<; Autorenangabe Notentextseite unter Kopftitel rechtsbündig zentriert >IGOR STRAVINSKY / 1959<; Rechtsschutzvorbehalt neben Kopftitel linksbündig gekastet >IMPORTANT NOTICE / The unauthorized copying / of the whole or any part of / this publication is illegal< unterhalb Notenspiegel linksbündig >All rights reserved / © 1960 by Hawkes & Son (London), Ltd.<; Herstellungshinweis Notentextseite unterhalb Notenspiegel rechtsbündig >Printed in England<; Platten-Nummer [Notentextseite rechtsbündig als Endevermerk] >B. & H. 18706<) // [1965]

° unterschiedliche Schreibweise original.

* Angezeigt werden ohne Niederlassungsangaben zweispaltig ohne Editionsnummern und ohne Preisangaben >Operas and Ballets° / Agon [#] Apollon musagète / Le baiser de la fée [#] Le rossignol / Mavra [#] Oedipus rex / Orpheus [#] Perséphone / Pétrouchka [#] Pulcinella / The flood [#] The rake’s progress / The rite of spring° / Symphonic Works° / Abraham and Isaac [#] Capriccio pour piano et orchestre / Concerto en ré (Bâle) [#] Concerto pour piano et orchestre / [#] d’harmonie / Divertimento [#] Greetings°° prelude / Le chant du rossignol [#] Monumentum / Movements for piano and orchestra [#] Quatre études pour orchestre / Suite from Pulcinella [#] Symphonies of wind instruments / Trois petites chansons [#] Two poems and three Japanese lyrics / Two poems of Verlaine [#] Variations in memoriam Aldous Huxley / Instrumental Music° / Double canon [#] Duo concertant / string quartet [#] violin and piano / Epitaphium [#] In memoriam Dylan Thomas / flute, clarinet and harp [#] tenor, string quartet and 4 trombones / Elegy for J.F.K. [#] Octet for wind instruments / mezzo-soprano or baritone [#] flute, clarinet, 2 bassoons, 2 trumpets and / and 3 clarinets [#] 2 trombones / Septet [#] Sérénade en la / clarinet, horn, bassoon, piano, violin, viola [#] piano / and violoncello [#] / Sonate pour piano [#] Three pieces for string quartet / piano [#] string quartet / Three songs from William Shakespeare° / mezzo-soprano, flute, clarinet and viola° / Songs and Song Cycles° / Trois petites chansons [#] Two poems and three Japanese lyrics / Two poems of Verlaine° / Choral Works° / Anthem [#] A sermon, a narrative, and a prayer / Ave Maria [#] Cantata / Canticum Sacrum [#] Credo / J. S. Bach: Choral-Variationen [#] Introitus in memoriam T. S. Eliot / Mass [#] Pater noster / Symphony of psalms [#] Threni / Tres sacrae cantiones°< [° mittenzentriert; °° Titelfehler original].


K Cat­a­log: Anno­tated Cat­a­log of Works and Work Edi­tions of Igor Straw­in­sky till 1971, revised version 2014 and ongoing, by Hel­mut Kirch­meyer.
© Hel­mut Kirch­meyer. All rights reserved.
https://kcatalog.org and https://kcatalog.net

Print