N 5 [1904]

Ê à ê ú  ã ð è á û  í à  â î é í ó  ñ î á è ð à ë è ñ ü

Die Pilze ziehen in den Krieg für Baß und Klavier — Les champignons vont à la guerre — The Mushrooms Going to War

 

This incomplete song for bass, left behind in Strawinsky’s estate, was not intended for publication. Strawinsky wrote it in 1904 in St Petersburg with the final date 26th December and dedicated it to his teacher, Rimsky-Korsakov. The text is attributed to a fictional poet, Kosma Prutkov, under whose name many aphorisms and poems had been published since 1854; these are predominantly parodies of “abgesunkenes Kulturgut” (déclassé cultural assets) with deeper meaning. The pseudonym Prutkov was used by the literary society of Alexei Tolstoy, Alexei Alexander and Vladimir Shemtschushnikov. The text of the song has a political background. In Germany there existed a literary discussion of its own about it*. Strawinsky cared so little about the song that he did not once look at it when the incomplete neat copy was sent to him. The work was published in 1979 after Strawinsky’s death by Boosey & Hawkes in London. Attributing Strawinsky’s later lack of interest to artistic reasons would fall short of reality. The text was aimed at the tsar and belonged to the pre-revolutionary context of 1917. Meanwhile, Lenin and Stalin had come to power and compared to their crimes the tsarist governance came to be considered almost human, especially after the loss of home, property and financial assets that Strawinsky has undergone. Thus, it is quite probable that he did not wish to be reminded of his former criticism of the tsar and simply left the fragment in its envelope. The autograph is stored in the Paul Sacher Stiftung, Basel.

* Wilhelm Schlüter: Pilze in der Ernsten Musik, in: Der Tintling. Die Pilzzeitung, XV/62, pp. 4352, 2010; Hagen Graebner: Wie die Pilze in den Krieg ziehen wollten, in: Der Tintling, Heft 1/2011, pp. 5657; Martin Wagner: Pilzkrieg im Zarenreich. Eine Replik zum Beitrag von HAGEN GRAEBNER im Tintling 1/2011, in: Der Tintling 2 (2011), pp. 188[a]-189[b] [with bibliography].

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

N 5 [1904]

Ê à ê ú  ã ð è á û  í à  â î é í ó  ñ î á è ð à ë è ñ ü

Die Pilze ziehen in den Krieg für Baß und Klavier — Les champignons vont à la guerre — The Mushrooms Going to War

 

Das im Strawinsky-Nachlaß unvollständig hinterlassene Baß-Lied war nicht für die Veröffentlichung bestimmt. Strawinsky schrieb es 1904 in St. Petersburg mit Enddatierung 26. Dezember und widmete es seinem Lehrer Rimsky-Korssakow. Der Text stammt von dem fiktiven Dichter Kosma Prutkow, unter dessen Namen seit 1854 viele Aphorismen und Gedichte erschienen, die überwiegend zur Gattung der Parodien auf abgesunkene Literaturmotive mit tieferer Bedeutung zählen. Hinter dem Pseudonym Prutkow verbirgt sich die Literatengemeinschaft Alexej Tolstoi, Alexej, Alexander und Wladimir Shemtschushnikow. Der Text des Liedes hat einen politischen Hintergrund. In Deutschland kam es darüber zu einer eigenen literarischen Diskussion*. Strawinsky war an dem Lied so wenig interessiert, daß er es nicht einmal auspackte, als man ihm das Manuskript, besser: die unvollständige Reinschrift schickte. Es wurde 1979 nach Strawinskys Tod von Boosey & Hawkes in London veröffentlicht. Man würde sich die Sache aber zu einfach machen, wollte man Strawinskys späteres Desinteresse ausschließlich auf künstlerische Gründe zurückführen. Der Text war anti-zaristisch zu verstehen und gehörte in das vorrevolutionäre Umfeld vor 1917. Inzwischen waren die Kommunisten Lenin und Stalin an die Macht gekommen, und verglichen mit deren Verbrechen mußte man die zaristischen Verhältnisse als geradezu menschenfreundlich empfinden, vor allem dann, wenn man, wie Strawinsky, durch sie Heimat, Besitz und Vermögen verloren hatte. Also war es verständlich, daß er an seine ehemalige Zarenkritik nicht mehr erinnert werden wollte und das Fragment einfach im ungeöffneten Umschlag beließ. Das Autograph wird in der Paul Sacher Stiftung Basel verwahrt.

* Wilhelm Schlüter: Pilze in der Ernsten Musik, in: Der Tintling. Die Pilzzeitung, XV/62, S. 4352, 2010; Hagen Graebner: Wie die Pilze in den Krieg ziehen wollten, in: Der Tintling, Heft 1/2011, S. 5657; Martin Wagner: Pilzkrieg im Zarenreich. Eine Replik zum Beitrag von HAGEN GRAEBNER im Tintling 1/2011, in: Der Tintling 2 (2011), S. 188[a]-189[b] [mit Literaturangaben].

 

 

 

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